Die Studie zeigt, dass weltweit das Vertrauen in Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auf einem mittelmäßig hohen Niveau ist. Zudem wünscht eine Mehrheit der Befragten, dass sich die Forschende in Politik und Gesellschaft einbringen. Belege für eine häufig diskutierte «Vertrauenskrise» der Wissenschaft liefert die Untersuchung somit nicht.
Die Studie wurde im Journal „Nature Human Behaviour“ veröffentlicht. Sie entstand im Rahmen des TISP Many Labs Projekts, welches von Dr. Viktoria Cologna (Harvard University, ETH Zürich) und Dr. Niels G. Mede (Universität Zürich) geleitet wird. An der Erhebung der Daten für Deutschland war Prof. Dr. Simone Dohle beteiligt.
Die Autorinnen und Autoren der Studie befragten 71,922 Menschen in 68 Ländern, darunter viele wenig erforschte Länder des «Globalen Südens». Die Untersuchung liefert erstmals seit der Corona-Pandemie weltweite, repräsentative Umfragedaten. Hierzu zählten folgende Fragen:
(1) Welche Bevölkerungsgruppen und Weltregionen halten Forschende als besonders vertrauenswürdig?
(2) Wie sollen Forschende für die Öffentlichkeit eintreten?
(3) Welchen Forschungsthemen sollen Forschenden vorrangig behandeln?
Die Studie liefert folgende Antworten dazu:
(1) Ein zentraler Befund: In allen 68 Ländern vertraut eine Mehrheit der Bevölkerung Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern – sie hält sie überwiegend für qualifiziert (78%), ehrlich (57%) und besorgt um gesellschaftliches Wohlergehen (56%). Dieses Ergebnis stellt die These einer «Vertrauenskrise» der Wissenschaft infrage.
Im internationalen Vergleich ist Deutschland im Mittelfeld (Platz 44): Auch hierzulande findet sich zwar ein moderat hohes Wissenschaftsvertrauen. Der Durchschnittswert liegt knapp unter dem Mittel aller untersuchten Ländern und damit unter dem vieler afrikanischer und nordeuropäischer Länder – aber noch vor Russland und einigen ehemaligen Sowjetrepubliken.
(2) Gleichwohl befürwortet eine Mehrheit der Bevölkerung eine aktive Rolle von Wissenschaft in Politik und Gesellschaft. Weltweit wünschen 83% der Befragten, dass Forschende mit der breiten Öffentlichkeit kommunizieren sollten. Nur eine Minderheit von 23% heißt es nicht gut, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich aktiv für bestimmte politische Maßnahmen einsetzen. In Deutschland sind 60% der Befragten der Meinung, dass Forschende sich mehr in politische Entscheidungsprozesse einbringen sollten (12% stimmten dieser Aussage nicht zu).
(3) Die Befragten sind der Meinung, dass vorrangig zu den Themen Gesundheit, Energie und Armutsbekämpfung geforscht werden soll und und weniger Rüstungsforschung betrieben werden soll.
Neben dem Fachartikel haben die Autorinnen und Autoren auch eine Web-Applikation entwickelt, in der Nutzerinnen und Nutzer selbst die Befragungsdaten auswerten und beispielsweise Deutschland mit anderen Ländern vergleichen können: https://www.tisp-manylabs.com/explore-tisp-data1