Ziel dieser Studien war es, zu untersuchen, wie sich die gleichzeitige Verwendung von Nährwertkennzeichnungen (Nutri-Score) und Umweltkennzeichnungen (Eco-Score) auf die Bewertung von Lebensmitteln auswirkt. In Studie 1 wurden dafür Snacks von bestimmten Marken präsentiert (z.B. von Alnatura), während in Studie 2 die gleichen Lebensmittel ohne Markenkennzeichnung präsentiert wurden. Beide Studien verwendeten dafür ein sogenanntes 2 (Nutri-Score-Valenz: positiv, negativ) x 2 (Eco-Score-Valenz: positiv, negativ) Between-Subject-Design. Dies bedeutet, dass Teilnehmende zufällig einer von vier Gruppen zugeordnet wurden: Sie sahen entweder Lebensmittel mit einem positiven Nutri-Score und einem positiven Eco-Score, mit einem positiven Nutri-Score aber einem negativen Eco-Score, mit einem negativen Nutri-Score aber einem positiven Eco-Score oder einem negativen Nutri-Score und einem negativen Eco-Score. Die Teilnehmenden beurteilten die Snacks hinsichtlich ihrer wahrgenommener Gesundheit, wahrgenommener Nachhaltigkeit, Vorliebe, Verlangen und Kaufbereitschaft.
Die Ergebnisse zeigten, dass positive Nutri- und Eco-Scores die wahrgenommene Gesundheit und Nachhaltigkeit sowohl von Marken-Snacks als auch von Nicht-Marken-Snacks erhöhten. Der Nutri-Score beeinflusste in beiden Studien auch die Nachhaltigkeitsbewertungen, was darauf hindeutet, dass seine Auswirkungen über Gesundheitsbewertungen hinausgehen. Interessanterweise wurden bei den Marken-Snacks Lebensmittel mit zwei negativen Kennzeichnungen mehr gemocht als solche mit zwei positiven Kennzeichnungen—ein Ergebnis, das sich für die Nicht-Marken-Snacks nicht replizieren ließ. Diese Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Auswirkungen der Kennzeichnungen auf die wahrgenommene Gesundheit und Nachhaltigkeit zwar konsistent erscheinen, ihre Effekte auf Vorliebe, Verlangen und Kaufbereitschaft jedoch begrenzt und wahrscheinlich durch andere Faktoren beeinflusst sind.
Diese Forschung verdeutlicht die komplexen und nuancierten Auswirkungen der Lebensmittelkennzeichnung auf das Verbraucherverhalten. Sie unterstreicht sowohl das Potenzial als auch die Grenzen von Nährwert- und Umweltkennzeichnungen und liefert wertvolle Erkenntnisse für politische EntscheidungsträgerInnen, LebensmittelherstellerInnen und GesundheitsexpertInnen. Ein tieferes Verständnis darüber, wie Kennzeichnungen die Lebensmittelauswahl beeinflussen, ist erforderlich, um effektive Strategien zur Förderung gesünderer und nachhaltigerer Lebensmittelentscheidungen zu entwickeln.