Neuberufungen 2024
Im Jahr 2024 rief die Medizinische Fakultät folgende Professor*innen an die Universität Bonn:
Prof. Radosław P. Nowak
Professor für „Immune Engineering and Drug Discovery“ am Institut für Strukturbiologie des Universitätsklinikum Bonn.
Der 36-jährige Biochemiker wird das Exzellenzcluster ImmunoSensation2 der Universität Bonn wissenschaftlich im Bereich der Systemimmunologie gezielt stärken. Zudem will er aktiv das Thema „Arzneimittel-Entdeckung“ in Bonn interfakultär und mit außeruniversitären Instituten voranbringen. Ziel ist ein leistungsstarkes, international kompetitives Zentrum für Drug Discovery. Seine akademische Ausbildung führte Prof. Nowak zuerst nach Oxford und dann nach Boston. Jetzt kommt er vom dortigen Center for Protein Degradation (CPD) am Dana-Farber Cancer Institute//Harvard Medical School.

„Proteine werden in der Zelle auf natürliche Weise umgewandelt“, sagt Prof. Nowak, der solche Recycling-Prozesse zur Entdeckung neuer Arzneistoffe nutzen will. Eiweiße werden durch das so genannte Ubiquitin-Proteasom-System abgebaut. Spezielle Enzyme, die so genannten E3- Ligasen, binden fehlgefaltete und dysfunktionale Protein und markieren sie mit Ubiquitin für die Zerstörung durch das Proteasom – ein zelluläres Abfallentsorgungssystem, wo die Proteine in Stücke gehackt und recycelt werden. Proteolyse-Chimären (PROTACs) oder molekulare Klebstoffabbauer können diesen natürlichen Abbauprozess aushebeln und auf Proteine lenken, die bisher als nicht therapeutisch angreifbar galten. Die hantelförmigen PROTACs verkleben über ihre beiden Bindungsarme das Zielprotein mit der E3-Ubiquitin-Ligase und ermöglichen so die Übertragung von Ubiquitinen und den anschließenden Abbau durch das Proteasom. „Wir nennen dieses einen gezielten Proteinabbau. Denn wir können jetzt PROTACs entwickeln oder molekulare Klebstoffabbauer finden, mit denen wir spezifisch Proteine angreifen können, die bisher nur schwer zu bekämpfen waren“, sagt Prof. Nowak.
Sein Traum ist, zur Entdeckung neuer Medikamente beizutragen
Mit seinem Team will er herausfinden, wie auf diesem Weg Proteininteraktionen innerhalb einer Zelle zu therapeutischen Nutzen umgestaltet werden können. „Das Gefühl, dass wir etwas Neues entdeckt haben, ist spannend. In der aktuellen Forschung ist die Entdeckung eine Teamleistung und das macht sie so besonders“, sagt Prof. Nowak. Daher möchte er langfristig am UKB und an der Universität Bonn ein Netzwerk schaffen, das sich auf verschiedene Aspekte der Arzneimittelentdeckung konzentriert. Es soll Kliniker, Grundlagenforschende und den Biotechnologiesektor einbeziehen, um Forschung zu organisieren und in Richtung therapeutische Entwicklung zu führen. „Da ich am UKB in ein Krankenhaus eingebettet bin, finde ich es besonders wichtig, mich auf Forschung zu konzentrieren, die ein translationales Potenzial hat. Die Entdeckung von Arzneimitteln ist ein anspruchsvoller und manchmal langwieriger Prozess, der jedoch immer mit einer grundlegenden Entdeckung und häufig mit einem chemischen oder biologischen Werkzeug beginnt. In meinem Labor, das sich auf den gezielten Abbau von Proteinen und die durch kleine Moleküle induzierte Nähe konzentriert, möchte ich diese neuartigen Technologien entwickeln, neue Wirkmechanismen kleiner Moleküle entdecken und sie für das therapeutische Potenzial weiterentwickeln“, sagt Prof. Nowak.
Gerne ist der Biochemiker nach Bonn gekommen, da das UKB und die Universität Bonn eine Reihe herausragender Forschungsgruppen mit starkem Schwerpunkt auf der Immunologie zusammengestellt haben. „Die Kombination von Immunologie mit Spitzentechnologien wie Chemie, Proteomik, Nanokörpern, Strukturbiologie oder Gen-Editierung passt perfekt zu meinem Fachwissen über gezielten Proteinabbau, induzierte Nähe und die Entdeckung kleiner Moleküle für Medikamente“, sagt der Vater von drei Kindern, der in seiner Freizeit reist und Sport treibt – Skifahren oder Radfahren. Gerne würde er zum Segelfliegen zurückkehren – eines seiner Hobbys aus der Universitätszeit.
Prof. Dr. Christian Kirschneck
Prof. Dr. Christian Kirschneck ist neuer Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Der 37-jährige Nachfolger von Prof. Dr. Andreas Jäger will das ausgedehnte Behandlungsspektrum einschließlich der Erwachsenenkieferorthopädie am Standort Bonn weiterentwickeln und jeden Betroffenen eine individuell optimale Therapiestrategie bei minimalen Nebenwirkungen und Risiken bieten. Dabei setzt er auf eine umfassende personalisierte Diagnostik und künstliche Intelligenz (KI). Weitere Schwerpunkte der Klinik sind Lippen-Kiefer-Gaumenspalten (LKG) und kraniofaziale Fehlbildungen, Dysgnathiechirurgie und dentale Traumatologie sowie die obstruktive Schlafatemstörung. In seiner Forschung beschäftigt Prof. Kirschneck sich mit erblichen Faktoren des Schädelwachstums und der Zahnentwicklung sowie der oralen Immunologie. Dafür erhielt der vormals stellv. Direktor der Kieferorthopädie am Universitätsklinikum Regensburg den Millerpreis der DGZMK und zweimalig den Arnold-Biber-Preis der DGKFO.

„Kieferorthopädie ist Prävention. So kann eine frühzeitige Korrektur fehlpositionierter Zähne gerade bei Kindern und Jugendlichen, die oftmals wegen ihrem Erscheinungsbild stigmatisiert werden, zusätzliche positive Effekte haben“, sagt Prof. Kirschneck. Einen Fokus richtet er daher auf die personalisierte kieferorthopädische Diagnostik, Therapieplanung und -durchführung sowie deren Digitalisierung durch sinnvolle Nutzung von Algorithmen der künstlichen Intelligenz wie 3D-Scans, Planung und digitaler Workflow, automatisierte KI-Diagnostik, 3D-Druck sowie Computer Assisted Design und Computer Assisted Manufacturing, kurz CAD/CAM. Bereits am Universitätsklinikum Regensburg etablierte Prof. Kirschneck einen klinikinternen digitalen CAD/CAM – Workflow zur computergestützten Herstellung von Zahnkorrekturschienen mittels virtueller Planung und 3D-Druck. Für eine gesteigerte Versorgungsqualität führte er kürzlich eine ebenfalls digitale Herstellung von passgenauen, oral geklebten Drahtretainern zur Stabilisierung erreichter Zahnstellungskorrekturen ein. Solche modernen Verfahren wird er vornehmlich in der Erwachsenenkieferorthopädie wie der in Bonn bereits üblichen Aligner-Therapie kontinuierlich weiterentwickeln. „Ich wünsche mir eine Bonner Kieferorthopädie mit moderner Krankenversorgung auf höchstem Niveau, die von zufriedenen Patientinnen und Patienten gerne aufgesucht und geschätzt wird“, sagt der neue Klinikdirektor.
Früherkennung und ein Schlüssel für bessere Therapiestrategien
Der genetische Hintergrund, also die erblichen Faktoren des Schädelwachstums, der Zahnentwicklung und damit kieferorthopädisch relevanter krankhafter Veränderungen, ist ein Fokus seiner Forschung. Screening-Tests zur Früherkennung von Pathologien oder Reaktionsmustern auf eine kieferorthopädische Behandlung erlauben in Zukunft eine rechtzeitige und individuell auf die Betroffenen zugeschnittene Therapie. Sein wissenschaftliches Augenmerk legt Prof. Kirschneck auch auf die orale Immunologie: „Zellulär-molekulare Mechanismen, die kieferorthopädischen Zahnbewegungen sowie einer Parodontitis zugrunde liegen, sind ein Schlüssel kieferorthopädische Behandlungen zu verbessern.“ So hat beispielweise Nikotin negativen Einfluss auf eine akute parodontale Entzündung. Für seine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Arbeiten wurde er 2019 mit dem Millerpreis der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, dem höchstdotierten Wissenschaftspreis der deutschen Zahnheilkunde, ausgezeichnet.
Zudem beleuchtet er die direkte „Mechanotransduktion“, also eine Übertragung mechanischer Kräfte in eine biologische Reaktion für die Zahnbewegung. Da solche Modelle aus der Kieferorthopädie auch für wissenschaftliche Fragestellungen aus der allgemeinen Immunologie oder Onkologie interessant sind, strebt er enge Kooperationen in Bonn sowie national und international an. „Eine Anbindung an die Bonner Forschungsschwerpunkte ‘Immunosciences and Infection’, ‘Genetics and Epidemiology’ und ‘Oncology’ sowie dem Exzellenzcluster ‘ImmunoSensation2’ der Universität Bonn eröffnet mir ausgezeichnete Möglichkeiten“, beschreibt der neue Klinikdirektor eine Motivation den Ruf nach Bonn angenommen zu haben.
Ausbildung liegt ihm am Herzen
Mit den Schwerpunkten der Medizinischen Fakultät kann Prof. Kirschneck am Standort Bonn in idealer Weise seine bisherige Forschung fortführen. Das neue studentische Lehrgebäude an der Bonner Zahnklinik bietet die Möglichkeit für eine moderne Lehre. „Eine Voraussetzung – anlässlich der neuen zahnärztlichen Approbationsordnung – eine patientennähere und näher an der Medizin ausgerichtete Ausbildung unter direkter Einbindung der Studierenden zu ermöglichen“, sagt der Vater von zwei kleinen Töchtern. Auch habe Bonn als ehemalige deutsche Hauptstadt und Beethoven-Stadt ein reiches kulturelles und infrastrukturelles Angebot: „Alles zusammen hat meiner Frau und mir die Entscheidung leichtgemacht, aus Regensburg nach Bonn zu kommen. Darüber hinaus habe ich Beethovens Mondschein-Sonate bereits bei mehreren universitären Veranstaltungen als Klavier-Solist vorgetragen, etwas das mich in gewisser Weise bereits früh mit Bonn verbunden hat.“
Prof. Dr. Valentin Sebastian Schäfer
Valentin Sebastian Schäfer ist neuer Universitätsprofessor für Point-of-Care-Bildgebung inflammatorischer Prozesse und Leiter der Sektion Rheumatologie an der Medizinischen Klinik III des Universitätsklinikums Bonn. Hier konzentriert er sich auf die bildgebende und immunologische Erforschung von Vaskulitiden, Myositiden und Therapieresistenzmechanismen bei Arthritiden wie der Psoriasis-Arthritis und der rheumatoiden Arthritis.

Im Laufe seiner Karriere sammelte Schäfer umfangreiche Erfahrungen in der klinischen Medizin und Forschung als Clinician Scientist. Nach seinem Studium an der Karls-Universität Prag, Fakultät Hradec Králové, als Stipendiat sowie an der Mayo Clinic, setzte er seine Laufbahn als Assistenzarzt an den Universitätskliniken Erlangen, Regensburg und Berlin fort. Zuletzt war er als Oberarzt der Rheumatologie am Universitätsklinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz tätig. Seit 2018 leitet er die Rheumatologie am UKB, wo er auch das Psoriasis Arthritis Zentrum, das Uveitis Zentrum sowie seit 2024 das Vaskulitis Zentrum West leitet. Er ist zudem Mitglied der Klinikumskonferenz. Neben seinen klinischen Aufgaben engagiert er sich als Teamleiter der ASV Rheumatologie, Ko-Teamleiter der ASV Sarkoidose sowie Mitglied der Ethikkommission der medizinischen Fakultät Bonn.
International ist Valentin Schäfer eng vernetzt. Nach einem Forschungsstipendium an der Mayo Clinic Rochester in Minnesota erhielt er dort 2018 die Bilka-Gastprofessur verliehen. Seine Kooperationen umfassen renommierte Wissenschaftler und Zentren weltweit, darunter Harvard Medical School, Oxford University, MAYO Clinic, die Universität Groningen und die Sapienza University of Rome.
Bedeutende Beiträge in der Rheumatologie
Prof. Schäfer ist ein vielfach ausgezeichneter Wissenschaftler. Zu seinen bedeutendsten Auszeichnungen gehören der Rudolf-Schoen-Preis der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (2020), der Forschungspreis der AG Junge Rheumatologie (2023) und der Projektpreis der Deutschen Rheumastiftung (2024). Hinzu kommen zahlreiche Vortrags-, Poster- und Abstractpreise auf nationalen und internationalen Kongressen.
In der Forschung hat Valentin Schäfer über 40 klinisch-immunologische Phase I-III Studien geleitet, darunter Industrie- und akademisch gesponserte Studien. Besonders hervorzuheben sind seine Arbeiten zur Frühdiagnose und Differenzierung von Psoriasis-Arthritis und rheumatoider Arthritis sowie innovative Projekte wie die aktuelle RheumaKED-Studie, in der die Wirkung von Ketonester Supplementierung auf Krankheitsaktivität und Muskelerhalt bei Arthritiden und Vaskulitiden untersucht wird. Weitere Schwerpunkte sind Langzeitstudien zur Riesenzellarteriitis und die Erforschung von Resistenzmechanismen unter immunsuppressiver Therapie bei Arthritiden. Seine Expertise in der bildgebenden Diagnostik spiegelt sich in zahlreichen Publikationen wider, die Themen wie Gelenk- und Gefäßultraschall, molekulare Bildgebung von Adhäsionsproteinen sowie die Entwicklung innovativer KI-basierter Verfahren umfassen.
Begeisterung für die Lehre
Schäfer engagiert sich zudem intensiv in der Lehre. Er wurde mit Lehrpreisen ausgezeichnet, ist Mitglied der Studienkommission der Medizinischen Fakultät Bonn und prägt die Ausbildung im Bereich Ultraschall maßgeblich. Darüber hinaus hat er am Universitätsklinikum Bonn (UKB) innovative Lehrformate wie einen digitalen rheumatologischen Escape Room entwickelt, um die Lehre interaktiver und praxisnaher zu gestalten. Mit umfangreichen Zertifizierungen, darunter DEGUM Stufe III in der Gelenksonographie, ist er zudem Sprecher des Arbeitskreises Sonographie der Bewegungsorgane der DEGUM. Seine didaktischen Kompetenzen werden durch zahlreiche Weiterbildungen untermauert.
Das Universitätsklinikum Bonn bietet Schäfer ideale Bedingungen für seine klinische und wissenschaftliche Arbeit. Besonders hebt er den transdisziplinären Forschungsbereich „Leben und Gesundheit“ sowie das „Exzellenzcluster ImmunoSensation2“ hervor. Privat genießt der 41-jährige Familienvater, der verheiratet ist und einen Sohn hat, die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten in Bonn, darunter Schwimmen, Fahrradfahren und die Jagd.
Mit seiner umfangreichen Expertise und seinem Engagement bereichert Valentin Schäfer die rheumatologische Forschung und Versorgung in Bonn und darüber hinaus.
Prof. Dr. Tatjana Tchumatchenko
Tatjana Tchumatchenko ist neue Professorin für Computational Neuroscience of Behaviour und Leiterin der Forschungsgruppe am Institut für Experimentelle Epileptologie und Kognitionsforschung am UKB. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt in der Erforschung des neuronalen Codes und der Zusammenarbeit neuronaler Netzwerke im Gehirn. Dazu arbeitet Sie in enger Kooperation mit internationalen Forschungsgruppen, sowohl in der Verarbeitung externer Daten, als auch im Entwurf der theoretischen Modelle zur Analyse neuronaler Netzwerke.

Die Physikerin, welche innerhalb Ihrer Karrierelaufbahn bereits als Postdoktorandin an der Columbia University, und als Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut tätig war, hielt bereits von 2020-2021 an der Universität Bonn eine Professur. Nachdem sie zuletzt als stellvertretende Direktorin am Institut für Physiologische Chemie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz tätig war, ist sie nun nach Bonn zurückgekehrt. An der Universität Bonn schätzt sie besonders das wissenschaftsorientierte Miteinander unter Kollegen. „Eine gute Zusammenarbeit und Vernetzung der theoretisch, klinisch und experimentell arbeitenden Kolleginnen und Kollegen untereinander in Bonn sind für mich Grund genug, hierher zurückzukehren“, so Tchumatchenko.
Forschung an neuronalen Netzwerken
Zu ihren Zielen Am UKB gehören die Erforschung der Rechenstrategien von Neuronen, sowie besseres Verständnis über Synaptische Plastizität und die von ihr gesteuerten Verhaltensfunktionen. Ebenfalls fokussiert sie sich auf Organisation der Molekulardynamik innerhalb von Dendriten, und die Frage wie diese zur synaptischen Plastizität beiträgt. Dabei arbeite sie mit verschiedenen Abstraktionsebenen, die von der Mikroebene der Proteine bis hin zur Makroebene der Netzwerkdynamik reichen, um entlang all dieser Ebenen die Synthese verschiedener Rechenoperationen verfolgen zu können, so die Trägerin des Heinz-Maier-Leibniz Preises.
Das Team um Tchumatchenko forscht dafür an der Entwicklung künstlicher neuronaler Netzwerke und arbeitet eng mit anderen internationalen Forschungsgruppen zusammen, um einen gegenseitigen Modellaustausch und Auswertung von Daten zu ermöglichen. Dies ist ein wichtiger Schritt, um verschiedene neuronale Phänomene in Einklang zu bringen. „Die Vielfalt der erhobenen Daten und die verschiedenen Modellansätze, machen es möglich, verschiedene Phänomenen zu verzahnen, die zuvor separat betrachtet wurden“, sagt Tchumatchenko. Insgesamt sind die neuen Erkenntnisse nicht nur für die Grundlagenforschung, sondern auch für das Design von neurobiologisch inspirierten künstlichen neuronaler Netzwerken und das Verständnis neuronaler Erkrankungen von großer Bedeutung.
Über den neuen Forschungsstandort Bonn ist sie nicht nur aus der wissenschaftlichen Perspektive erfreut. Ihr ältester Sohn profitiere jetzt von der einzigartigen Begabtenförderung durch den Bonner Mathe-Club, die es so an anderen Standorten nicht gibt. Daher zeigt sich Tchumatchenko zufrieden über ihren Wechsel nach Bonn.
Prof. Dr. Nadine Scholten
Nadine Scholten ist Professorin für Psychoonkologische und Psychosomatische Versorgungsforschung an der Universität Bonn, und Leitung der Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung. Am UKB wird sie bei der Versorgungsforschung und Forschungsförderungsanträgen in Kooperation mit verschiedenen Kliniken aus dem Bereich der Neonatologie, Infektiologie und Allgemeinmedizin tätig sein. Die geprüfte Diplom-Volkswirtin freut sich, in Zukunft weitere Erkenntnisse in der Versorgungsforschung zu machen, und andere für ihr Feld begeistern zu können.

Nachdem sie zuvor 14 Jahre lang am Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaften der Universität zu Köln tätig war, wird die examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin ihre Tätigkeit nun in Bonn fortsetzen. Sie besitzt eine besondere Begeisterung für die Versorgungsforschung, und beschäftigte sich auch für ihr volkswirtschaftliches Diplom mit Krankenhausabrechnungsdaten. Scholten hat bereits in der Vergangenheit mit dem UKB zusammengearbeitet. Im Rahmen des Projektes NEO-Milk wurde eine App entwickelt, die Eltern von Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht bei dem Abpumpen von Milch unterstützt.
Fokus auf drittmittel-geförderte Projekte
In ihrem Schwerpunkt der Versorgungsforschung, die als interdisziplinäres Forschungsgebiet eine Verbesserung der Versorgung hin zu mehr Patienenzentrierung zum Ziel hat, beschäftigt sich Nadine Scholten mit Innovationen durch drittmittel-geförderte Forschungsprojekte. Dabei müssen auch Bedürfnisse der versorgenden Personen und Organisationen einbezogen werden, weshalb eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Akteuren von Bedeutung ist. „Versorgungsforschung ist ein interdisziplinäres Feld, das von vielen Perspektiven nur profitieren kann und auf eine enge Verzahnung zwischen Klinik und Forschung angewiesen ist“, so Scholten. Bedeutende Forschungsstationen seien für sie bisher drittmittelgeförderte Forschungsprojekte gewesen, an dessen Entwicklung und Durchführung sie arbeiten durfte, darunter die Forschung zur Evaluation der SAPV in Nordrhein, und zum wissenschaftlich begleiteten Einsatz von Webcams auf neonatologischen Intensivstationen.
Bei ihrer Berufung an die Universität Bonn konnte Scholten zwei drittmittelgeförderte Forschungsprojekte erfolgreich transferieren, darunter das Anfang 2022 gestartete Projekt MAM-Care zur Geburtshilfe, und in Kooperation mit verschiedenen Abteilungen des UKB bereits die Einreichung weiterer Forschungsförderungsanträge in die Wege leiten. In Zukunft sieht sie die psychoonkologische und psychosomatische Versorgungsforschung als wichtigen Fokus. Auch der Bereich Digitalisierung und AI, der am UKB besonders stark in Entwicklung sei, nennt sie als bedeutenden gemeinsamen Ansatzpunkt. Dabei seien sie und ihr Team zu Fragen und Indikationen offen, so Scholten, die verkündet „Gerne unterstützen wir alle an der Versorgungsforschung interessierten Forschenden am UKB mit unserer Expertise im Bereich der Methoden der Versorgungsforschung – von der Antragsstellung bis hin zur erfolgreichen Durchführung von Forschungsprojekten“.
Nadine Scholten blickt mit Vorfreude auf die zukünftige Arbeit am UKB. Bereits während ihrer Tätigkeit in Köln konnte sie positive Erfahrungen mit dem UKB als Projektpartner sammeln. Besonders positiv beindruckt ist sie von der Nähe zur Spitzenmedizin, einem exzellenten Forschungsumfeld, welches eine „ideale Ausgangsposition für erfolgreiche interdisziplinäre Forschungsprojekte“ sei, und der Innovationsfreude der Mitarbeitenden. Das innovative und forschungsfreundliche Umfeld bezeichnet sie als „eine hervorragende Basis auch für die Versorgungsforschung“.
Prof. Dr. Tim Clarner
Seit September 2023 ist Tim Clarner neuer Professor für Anatomie und Zellbiologie, und Direktor des Instituts für Anatomie und Zellbiologie am UKB. Er konzentriert sich in seiner Forschung auf die Aufklärung pathologischer und zytodegenerativer Prozesse bei Multipler Sklerose, sowie auf verschiedene Lehraufgaben. Der Fachanatom beschäftigt sich momentan mit Forschungsprojekten zur Rolle von Astrozyten, und des Proteins Lipocalin 2 bei neurodegenerativen Prozessen. Seinen Fokus hat er dabei auf die Erkrankung Multiple Sklerose gelegt, deren erste Symptome häufig bei jungen Erwachsenen auftreten.

Mechanismen der Multiplen Sklerose
Die Krankheit zeichne sich durch ein häufig schubweises Einwandern von Immunzellen in das zentrale Nervensystem aus. Während dies durch therapeutische Ansätze verhindert werden solle, so seien die Ursachen und Mechanismen für dieses Einwandern noch wenig erforscht, so der MS-Forscher. Unter anderem spielen hierbei neuroinflammatorische Prozesse, die an der Blut-Hirn-Schranke ablaufen, eine Rolle. Des Weiteren fokussiert sich die Forschung der Arbeitsgruppe auf das Verständnis zytodegenerativer Aspekte, Prozesse die den Verlust myelinbildender Oligodendtrozyten beeinflussen, und somit den Verlust der Myelinschicht, welche die Nervenzellen umgibt, vorantreiben „So könnten zukünftige Behandlungen darauf abzielen, die Demyelinisierung zu begrenzen oder zu verhindern und damit das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen“, sagt Clarner.
Geplant hat der MS-Forscher auch einige bedeutsame Forschungsprojekte. So wird er sich mit seinem Team der Erforschung der Rolle von Astrozyten bei Läsionen, die während Multipler Sklerose entstehen, widmen. In Zusammenarbeit mit der Neuroanatomie Bonn, sowie den anatomischen Instituten in Rostock und Aachen, wird hierbei anhand von Mausmodellen und Zellkulturstudien an reaktiven Astrozyten geforscht. Dies verspricht, ein wichtiger Fortschritt in der MS-Forschung zu sein, da Astrozyten eine große Rolle bei der Entwicklung von Läsionen zu spielen scheinen. Reaktive Astrozyten, welche stark auf pathologische Prozesse im zentralen Nervensystem reagieren und diese beeinflussen können, sind ein charakteristisches Merkmal auch der Multiplen Sklerose. Die Charakterisierung ihrer morphologischen und funktionellen Veränderungen verspricht vieles über ihre Rolle bei der Erkrankung aufzuklären.
Des Weiteren untersucht die Forschungsgruppe um Clarner am UKB das sekretierte Protein Lipocalin 2 (LCN2), dass bei der Läsionsentstehung und Progression von MS eine wichtige Rolle spielen könnte. Da LNC2 in verschiedenen Aspekten von MS involviert ist, wie der Entstehung und Progression von Läsionen, demn Zusammenbruch der Blut-Hirn-Schranke, und der Migration von Astrozyten in Richtung des geschädigten Gewebes, ist es für die Forschenden von besonderem Interesse.
Der 44-Jährige verbrachte bisher einen großen Teil seiner wissenschaftlichen Karriere an der RWTH Aachen. Nach einem Aufenthalt in La Plata, Argentinien, und Anfertigung seiner Diplomarbeit, promovierte der Fachanatom 2011 in Aachen, und war bis 2023 in der Neuroanatomie als wissenschaftlicher Mitarbeiter, und später als stellvertretender Institutsdirektor tätig. Nach seiner Tätigkeit als Professor für Anatomie an der Universität Rostock hat sich Clarner nun für eine Weiterführung seiner wissenschaftlichen Karriere am UKB entscheiden.
Exzellente Bedingungen in Bonn
Professor Tim Clarner freut sich über eine Vielzahl von Vorteilen am Standort Bonn. Er lobt das exzellente Forschungsumfeld und zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten am UKB, und ist begeistert von der „tollen Laborinfrastruktur inklusive hausinterner Tierhaltung und sehr guten räumlichen Bedingungen“. Diese Infrastruktur und Kooperationsmöglichkeiten unterstützen ihn bei seinen Zielen, wie etwa die Kooperationen innerhalb und außerhalb von Bonn auszubauen, und moderne in vitro Verfahren zur Erforschung von Zell-Zell-Interaktionen zu etablieren. Auch seiner Lehraufgabe am UKB wendet sich der Neuberufe, der 2017 auch zum RWTH Lecturer ernannt wurde, mit Freude zu, und lobt die Ausbildung der Studierenden in Bonn „auf hohem fachlichem und didaktischem Niveau.“ Die Lehre für Studierende der Human- und Zahnmedizin im Bereich der vorklinischen Ausbildung betreibt er mit viel Engagement. „Ich versuche dabei stets ein offenes Ohr für die Herausforderungen zu haben, vor denen unsere Studierenden stehen und sie bei ihrem Studium zu unterstützen.“, äußert sich der Vater zweier Kinder, der sich auch die Weiterentwicklung der digitalen Lehrangebote zum Ziel gesetzt hat.
Prof. Dr. Katrin Paeschke
Katrin Paeschke ist seit 2023 Professorin für zelluläre Biochemie am Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie. Zusammen mit ihrem Team forscht sie an Veränderungen der DNA und RNA Struktur, insbesondere dessen Rolle in der Immunologie. Damit ist sie auch Teil des Bonner Exzellenzclusters ImmunoSensation 2. Die gebürtige Rheinländerin, die ihr Vordiplom an der Universität Bonn absolvierte, war bereits vor ihrer Berufung als Professorin für translationale Onkologie am UKB tätig. Im Zuge ihrer Karrierelaufbahn verbrachte sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin Zeit an der Princeton University und war als Associate Professorin an der University of Groningen.

Mit ihrem Team ist Katrin Paeschke Teil des Bonner Exzellenzclusters ImmunoSensation 2. Dabei erforschen sie G-Quadruplexe, sekundäre DNA und RNA Strukturen, und die Auswirkung der Veränderung dieser Strukturen, sowie deren Funktion beispielsweise in der Immunantwort, bei zellulärem Stress, und bei Alterung. Diese Erkenntnisse seien für die Krebsforschung und Immunologie relevant, da DNA auch durch Viren und Bakterien gefaltet werden könne und das Immunsystem so beeinflusse, so Paeschke. Zu den verschiedenen Projekten der Arbeitsgruppe gehören die Erforschung des Einflusses von DNA und RNA Helikasen auf die Bildung von G4 Komplexen unter Infektion oder Umwelteinflüssen, und dem Einfluss sich verändernden G4-Strukturen auf die Immunantwort.
In Bonn blickt Paeschke der Arbeit im Exzellenzcluster ImmunoSensation 2 mit aussichtsreichen Plänen entgegen. Das Ziel sei es, mit Mitgliedern des Exzellenzclusters weitergehend durch Entschlüsselung molekularen Mechanismus klarzustellen, wie Faltungen in der DNA und RNA die Funktion und Effizienz von Immunzellen steuern und wie dieses bei Krankheiten verändert ist. Dabei werden sie biochemische Ansätze mit systematischen und globalen Untersuchungen kombinieren, und mit reinen Zellkulturen, sowie primären Zellen von Patienten arbeiten. Die Trägerin des ERC-Starting-Grants freut sich auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit: „Das dynamische, internationale und hoch Kooperative Forschungsumfeld in Bonn hat mich vom Standort Bonn überzeugt.“, so Paeschke.
Prof. Dr. Kerstin Ludwig
Am Institut für Humangenetik ist Prof. Kerstin Ludwig als neue Professorin für Immungenetik tätig. In ihrer Forschung untersucht sie den Beitrag der Genetik bei Infektions- und Immunerkrankungen. Neben der Identifizierung der beteiligten Gene erforscht sie deren Rolle in spezifischen biologischen Prozessen sowie das Zusammenspiel zwischen Genen und Umweltfaktoren. Ausgangspunkt ihrer Forschung ist die Beobachtung, dass Erkrankungen des Immunsystems bei betroffenen Menschen sehr unterschiedlich verlaufen können. Dabei zeigen sich große Unterschiede nicht nur in den Symptomen, sondern auch im Ansprechen auf Medikamente und nicht-medikamentöse Therapien. Diese Unterschiede sind u.a. durch Variabilität in der genetischen Konstitution des Menschen bedingt. Dabei folgen viele Erkrankungen des Immunsystems einer multifaktoriellen Ätiologie, das heißt sie werden sowohl durch genetische als auch nicht-genetische Faktoren beeinflusst.

Aktuelle Forschungsprojekte in der Genetik
Eines der derzeitigen Forschungsthemen Ludwigs ist die Genetik von Long-COVID, einer längerfristigen gesundheitlichen Beeinträchtigung in Folge einer akuten SARS-CoV-2 Infektion. In einer vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Erweiterung der Bonner Studie zur COVID-Genetik (BoSCO-Studie) beschäftigt sich Ludwig mit dem Potential der Genomsequenzierung für die Verbesserung von Diagnsotik und Therapie bei Long-COVID PatinetInnen. Weitere Projekte der Arbeitsgruppe Ludwigs beschäftigen sich mit der Anwendung von systematischen Hochdurchsatz-Methoden zur funktionellen Interpretation genetischer Varianz, mit denen unter einer Vielzahl von identifizierten genetischen Varianten diejenigen ausfindig gemacht werden können, die einen hohen Krankheitswert haben. Als besonderes Projekt liegt Ludwig der Aufbau einer Plattform namens “International Biobank Data Access and Analysis Hub“ am Herzen, um die in der humangenetischen Forschung routinemäßig genutzten Ressourcen für andere Arbeitsgruppen der Fakultät nutzbar zu machen. Diese Fachbereich-übergreifende Ressource soll verschiedenen Arbeitsgruppen Zugang zu Daten weltweitführender biomedizinischen Biobanken, wie der UKBiobank, ermöglichen und bei deren Auswertung unterstützen.
Arbeit am Forschungsstandort Bonn
Die gebürtige Dresdnerin schloss ihr Studium der Molekularen Biotechnologie an der TU Dresden und der ESBS Strasbourg ab. Ihre Begeisterung für das Fach der Humangenetik entwickelte sich während ihres Aufenthalts an der University of Toronto, wo sie in der Arbeitsgruppe „Genetics of Neurodevelopmental Disorders“ ihre Diplomarbeit schrieb. Seit ihrer Promotion am Institut für Humangenetik in Bonn, wo sie in der Arbeitsgruppe von Prof. Markus Nöthen Forschung zur Genetik der Lese- und Rechtschreibschwäche betrieb, fühlt sich Ludwig nun hier wohl. Während ihres PostDocs untersuchte sie die Genetik orofazialer Spalten, gemeinsam mit Frau PD Elisabeth Mangold, und kam erstmals in Kontakt mit der damals neuartigen Methode des „Next-Generation-Sequencing“ , welches sich heute zu einer Standard-Technologie in der Biomedizin etabliert hat und die sie auch heute in ihrer Forschung einsetzt. Im weiteren Verlauf ihrer wissenschaftlichen Karriere wurde Ludwig zunächst im Bonner Nachwuchsprogramm BONFOR gefördert, bevor sie in das Emmy-Noether-Programm der DFG aufgenommen wurde. Im Verlauf der SARS-CoV-2 Pandemie konnte die erfahrene Humangenetikerin dann ihre Expertise auf die Untersuchung der Genetik von Covid-19 anwenden: “Wir haben hier die Bonner Studie zur COVID-Genetik gegründet und mit dieser Studie in nationalen und internationalen Initiativen dazu beigetragen, dass bis heute eine Vielzahl an genetischen Risikofaktoren für z.B. schweres COVID-19 gefunden wurden.“, erklärt Ludwig. Ihre technologische Expertise half auch dabei, gemeinsam mit Prof. Schmid-Burgk ein neues Hochdurchsatz-Verfahren zur Detektion von SARS-CoV-2-Infektionen zu entwickeln, welches als LAMPseq-Verfahren zwischenzeitlich auch zur Testung von UKB-Mitarbeitenden und Studierenden eingesetzt wurde.
Den Ruf auf die Professur nahm Ludwig nach ihrem bereits erfolgreichen Aufenthalt in Bonn mit Freude an und lehnte hierfür ein Angebot der Medizinischen Fakultät Graz ab. Als eine der Gründe für diese Entscheidung nennt sie die hervorragende Struktur und unterstützenden Programme der Universität Bonn, von denen sie selber profitiert habe. Ebenfalls hebt sie das exzellente wissenschaftliche Umfeld hervor, das u.a. der Einbindung ihrer Arbeitsgruppe in das Exzellenzcluster ImmunoSensation2 zu verdanken ist. Dieses sei aufgrund hoher Interdisziplinarität sowie der guten Verknüpfung von Grundlagenwissenschaft und angewandter Forschung für die Untersuchung genetischer Variabilität hervorragend geeignet. Ludwigs Professur schlägt die Brücke zwischen den Schwerpunkten „Immunity und Infections“ und „Genetics and Epidemiology“, welche auch künftig an der Fakultät weiter ausgebaut werden, z.B. mit der Berufung Kaan Botzug´s. „Auf die Zusammenarbeit freue ich mich besonders“, äußert sie sich zu seiner Berufung.
Prof. Ludwig privat
Auch privat profitieren Ludwig und ihre Familie von der angenehmen Umgebung der Stadt Bonn. Die Mutter zweier Kinder bezeichnet die Stadt als sehr lebenswert und sieht Ähnlichkeiten zu ihrer Heimatstadt. Sie schätzt sowohl Rheinaue und den Kottenforst als zentral angebundene Erholungsorte, als auch die lebhafte Karnevalstradition des Rheinlands, an der sie inzwischen mit ihrer ganzen Familie mit Freude teilnimmt.
Prof. Dr. Aleksandra Pandyra
Die Professur für Translationale Immunologie wurde von Prof. Aleksandra Pandyra angetreten. Ihre Arbeit am UKB konzentriert sich auf die virale Infektionen, Onko-immunologie und der Entwicklung neuartiger Therapieansätze zur Verringerung der Krankheitslast. Ihre Arbeit im präklinischen Umfeld fokussiert sich auf die Aufdeckung neuer krankheitsspezifischer therapeutischer Interventionen, mit einem Schwerpunkt auf der Umwidmung von Medikamenten, im Kontext von Virusinfektionen und Tumormodellen, und mit einem besonderen Fokus auf der Entdeckung neuartiger immuno-modulierender Verbindungen. „Konkret wäre es ein Traum, ein Medikament mit bisher unbekannten immuno-modulatorischen Eigenschaften umzufunktionieren, und es in eine frühe Phase der klinischen Umgebung zu bringen“, erklärt Pandyra. Dazu verwenden sie und ihr Team auch in vivo Mausmodelle, um die präklinische Wirksamkeit antiviraler und antitumoraler Wirkstoffkandidaten zu testen.

Ihre Arbeit fokussiert sich auch auf den Einfluss myelosicher Zellen auf Tumore und deren infektiöse Mikroumgebung, und auf Faktoren, die ihre immunsuppresiven Eigenschaften beeinflussen. Dazu verwenden sie genetische Modelle, anhand welcher verschiedene epigenetische und metabolische Faktoren im myeloischen Kompartiment manipuliert werden können. Anhand von in vivo und ex vivo Modellen kann dann die Auswirkung auf antivirale und antitumorale Immunität erforscht werden. Außerdem konzentrieren sich die Immunologin und ihr Team beispielsweise auf die Untersuchung bestimmter Impfstoffe, um festzustellen, ob diese verwendet werden können, um das Immunsystem zu trainieren, und die schädlichen Auswirkungen einer chronischen Virusinfektion, sowie das Fortschreiten von Tumorbildung zu verhindern.
Internationale Zusammenarbeit
Mit ihrer Forschungsgruppe ist Aleksandra Pandyra Teil des Bonner Exzellenzclusters ImmunoSensation 2. Sie ist auch an mehreren internationalen und nationalen Kooperationen beteiligt, darunter mit Forschenden der Universität Düsseldorf, der Universität Gießen, der Charité Berlin, und der Zytovision GmBH an dem Projet „EDI-4-ALL“, ein Ansatz zur frühen Detektion und Interzeption akuter lymphoblastischer Leukämie. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt läuft in Kooperation mit BCNatal, einer Geburtsklinik in Barcelona, und hat die Entwicklung neuer Analysemethoden zur Frühdetektion von Leukämie in Neugeborenen zum Ziel.
Vor ihrem Forschungsantritt in Bonn war die Immunologin, die ihren Doktortitel am Princess Margaret Hospital in Toronto erwarb, als Nachwuchsgruppenleiterin in der Klinik für Pädiatrische Onkologie, Hämatologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Düsseldorf tätig. Hierbei konzentriere sie sich auf die Erforschung der anti-viralen Immunantwort, und von dem Einfluss von Immuninfilitraten in der Mikroumgebung von Tumoren. Mit ihrem Wechsel nach Bonn ist Pandyra jedoch sehr zufrieden, und mit besonderer Beachtung lobt sie das erstaunliche wissenschaftliche Umfeld und die Zusammenarbeit mit exzellenten wissenschaftlichen Forschenden und die Integration der Professur in das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). „Das Institut für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie ist ein ideales Umfeld für translationale Forschung, da es ein klinisches Studienzentrum, eine Phase-I-Einheit, die Biobank, die Labordiagnostik sowie das exzellente Forschungsumfeld mit einer Reihe von Forschungsgruppen in Immunologie und Infektion unter einem Dach hat“, äußert sich die Spezialistin. Des Weiteren sieht sie das eingebundene Exzllenzcluster ImmunoSensation 2, als großen Vorteil, und schätzt, in diesem Umfeld arbeiten zu können.
Prof. Dr. Martin Reuter
Martin Reuter wird Professor für Künstliche Intelligenz in der Medizinischen Bildgebung am UKB
Prof. Dr. Martin Reuter, ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) in der medizinischen Bildgebung, übernimmt die neue Professur “Artifical Intelligence for Medical Imaging” am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Reuter, der zuvor am MIT und an der Harvard Medical School in Boston tätig war, hält neben seiner Professur in Bonn weiterhin Positionen als Assistant Professor an der Harvard Medical School, am Atinuola A. Martinos Center for Biomedical Imaging am Massachusetts General Hospital, sowie als Forschungsgruppenleiter am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn.

Weiterentwicklung bedeutsamer KI-Methoden
Prof. Reuter’s Forschung konzentriert sich auf die Entwicklung innovativer KI-Methoden zur Analyse medizinischer Bilddaten, die eine breite Anwendung in der medizinischen Forschung sowie der Diagnose und Therapie von Krankheiten finden. Dabei hat er bereits in den Bereichen Bildverarbeitung und KI bahnbrechende Fortschritte erzielt. Besonders hervorzuheben ist die Open-Source Software FastSurfer, die auf eigens dafür entwickelten neuen KI Modellen basiert und bereits weltweit in der Neuroimaging Forschung und in großen Kohortenstudien eingesetzt wird. “Die Anwendung von KI in der medizinischen Bildverarbeitung ermöglicht es, schnell genaue Messdaten zu erhalten, z.B. um bereits frühzeitig kleine Veränderung im Gehirn zu quantifizieren, präzisere Diagnosen zu stellen und die Forschung an neurodegenerativer Erkrankungen, wie Alzheimer, erheblich voranzutreiben”, erklärt Prof. Reuter. Besonders vielversprechend ist der Einsatz von Deep Learning-Techniken, um Muster in 3D-Bilddaten zu erkennen, die für menschliche Experten oft nur schwer zugänglich sind. „KI ermöglicht eine Früherkennung, bevor klinische Symptome sichtbar werden, was die Grundlage für frühzeitige weiterführende Untersuchungen sowie individuell zugeschnittene Therapien bilden kann“, so Reuter weiter.
In den kommenden Jahren wird die Bedeutung von KI in der medizinischen Bildgebung weiter wachsen. „KI-Methoden sind heute schon ein Schlüsselbereich der medizinischen Forschung und werden künftig die klinische Praxis revolutionieren, indem sie eine schnellere und genauere Diagnostik sowie personalisierte Therapieansätze ermöglichen“, betont der Forscher. Durch die Anwendung von KI können zudem die wachsenden Datenmengen aus der medizinischen Bildgebung effizienter und präziser verarbeitet werden. “Das ersetzt nicht den Radiologen aber es stellt ihm ein mächtiges Hilfsmittel zur Verfügung, um Patienten noch besser und gezielter zu behandeln.”
Neue Möglichkeiten am UKB
In Bonn wird Prof. Reuter neue Konzepte weiterentwickeln, etwa erklärbare KI, die es Ärzten ermöglicht, die Ergebnisse direkt nachvollziehbar in den Bilddaten zu überprüfen. Weitere Forschungsschwerpunkte sind die Entwicklung innovativer neuronaler Netzwerktechnologien wie Voxel-size Independent Neural Networks, die unabhängig von der Bildauflösung arbeiten und somit weniger Daten für das Training benötigen. Solche Innovationen sind entscheidend, um KI-Technologien schneller in die medizinische Praxis zu überführen und deren Nutzen für die Patientenversorgung zu maximieren.
„Die exzellente interdisziplinäre Forschungsinfrastruktur am DZNE und die enge Zusammenarbeit mit z.B. der Rheinland-Studie bieten mir ideale Bedingungen, um meine Methodik schnell und effizient zu validieren und dabei die Studie mit modernen, maßgeschneiderten Tools zu unterstützen“, sagt Reuter. Auch die klinische Zusammenarbeit am UKB, die einen direkten Austausch zwischen Forschern und Ärzten ermöglicht, schätzt er sehr. “Bonn bietet mir damit nicht nur hervorragende wissenschaftliche und technologische Rahmenbedingungen, sondern auch eine einzigartige Möglichkeit, die Zukunft der medizinischen Bildgebung und Diagnostik aktiv mitzugestalten.”
Jun.-Prof. Tim Rollenske
Tim Rollenske ist neuer Juniorprofessor für Mukosale Immunologie am Institut für Molekulare Medizin und Experimentelle Immunologie des UKBs. In seiner Forschung fokussiert er sich auf die Wechselwirkung des Mikrobioms mit dem Immunsystem, mit besonderem Schwerpunkt auf der Auswirkung von Antikörper auf das Mikrobiom, eine wichtige und gesundheitsförderliche bakterielle Gemeinschaft, die vor Allem auf Schleimhäuten, insbesondere im Darm zu finden ist. Die Erforschung der Wechselwirkung des Mikrobioms mit dem Immunsystem ist am UKB sein zentrales Projekt, da das Mikrobiom für die Entwicklung des Immunsystems bedeutsam ist, und eine zentrale Rolle bei der Ausbildung späterer Krankheiten spielt.
Bei der Erforschung der Rolle von Antikörpern, und der Antikörperantwort, wird sein Fokus besonders auf Antikörpern des Types A (IgA) liegen. Unser Körper produziert täglich eine große Menge IgA Antikörper, deren Auswirkung auf unser Mikrobiom und Immunsystem seien noch nicht abschließend ermittelt, so Rollenske. In Bonn möchte der Immunologe jedoch auch seinen Schwerpunkt erweitern, und ebenfalls Forschung zu mukosalen Impfstoffen betreiben, sowie mithilfe von gnotobiotischen Modellen schützende Antikörper gegen Antibiotika-resistente Bakterien identifizieren. Die Entwicklung neuer Methoden, um das komplexe System des Mikrobioms zu erforschen ist ein weiteres Ziel der Arbeitsgruppe Rollenskes, darunter auch die Arbeit mit Einzelzellanalysen, und die verbesserte Herstellung monoklonaler Antikörper.

Vor seinem Wechsel nach Bonn war Tim Rollenske bereits am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin, am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, an den Maurice Müller Laboratories in Bern, und am Inselspital in Bern tätig. Der Wechsel nach Bonn war für ihn allerdings keine schwere Entscheidung. “Der Standort Bonn bietet mir, neben der speziell-nötigen Infrastruktur um unsere Forschung zu betreiben, alles um mein Team und mich persönlich weiterzuentwickeln. Insbesondere die fachliche Kompetenz und der Forschungseifer im Immunosensation2 Exzellenzcluster haben mich überzeugt, nach Bonn zu kommen“, lobt Rollenske.